Katalogbuch zur Ausstellung im Leopold Museum in Wien, 2012/2013
Die Ausstellung Nackte Männer
Nackte Männer können verstören – das zeigt das Beispiel von Queen Victoria. Als die englische Königin im 19. Jahrhundert zum ersten Mal eine Kopie der Davidstatue des Michelangelo in einem Londoner Museum erblickte, war sie bestürzt über den Anblick des nackten Königs. Sie gab umgehend ein Feigenblatt aus Gips in Auftrag, das bei Bedarf mit zwei Haken die Blöße der Statue bedecken sollte. Das Feigenblatt soll bis 1953 zum Einsatz gekommen sein, sobald königlicher Besuch das Londoner Museum besichtigte. Die Schamhaftigkeit des 19. Jahrhunderts ist heute scheinbar überwunden. Nackte Männer sind in den Medien und der Kunst allgegenwärtig. Wie sich der Umgang mit dem Thema ‘Nackte Männer’ in der Kunst im Laufe der Epochen verändert hat, ist ein Aspekt der gleichnamigen Ausstellung in Wien. Die einzigartige Schau präsentiert die Darstellungen nackter Männer von der Aufklärung bis heute. Dabei stehen drei Schwerpunkte im Mittelpunkt: der Klassizismus um 1800, die Klassische Moderne am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert und die Entwicklungen nach 1945.




